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Wie funktioniert der Bundesrat?

Ratgeber · Redaktion · veröffentlicht am 26.10.2026 · aktualisiert am 03.10.2026

Wie funktioniert der Bundesrat?

Der Bundesrat ist das Verfassungsorgan, über das die sechzehn Länder an der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes sowie in Angelegenheiten der Europäischen Union mitwirken. Anders als der Bundestag wird er nicht gewählt: Seine Mitglieder gehören den Landesregierungen an und werden von diesen bestellt. Das macht ihn zu einem Scharnier des Föderalismus, in dem Landesinteressen auf Bundesebene sichtbar werden. Viele Menschen kennen ihn nur aus Nachrichten über Gesetze, die im Bundesrat scheitern oder bestätigt werden. Dieser Beitrag erklärt verständlich, wie der Bundesrat zusammengesetzt ist, wie er entscheidet und welche Rolle er im politischen System spielt.

Aufgabe und Stellung im Grundgesetz

Das Grundgesetz sieht vor, dass die Länder durch den Bundesrat bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes mitwirken. Er ist ein eigenständiges Verfassungsorgan neben Bundestag, Bundesregierung, Bundespräsident und Bundesverfassungsgericht. Seine Existenz sichert, dass der Bund nicht über die Köpfe der Länder hinweg entscheidet.

Die Länder sind für viele Gesetze des Bundes die Ausführenden. Deshalb ist es sinnvoll, dass sie schon beim Entstehen mitreden. Der Bundesrat kann Stellungnahmen abgeben, Gesetzesinitiativen einbringen und bei bestimmten Gesetzen entscheidend mitwirken. Das macht ihn zu einem Gegengewicht zur Bundesebene und zu einem Instrument der Gewaltenteilung, die nicht nur zwischen Staatsorganen, sondern auch zwischen Ebenen des Staates besteht.

In Europafragen vertritt der Bundesrat die Interessen der Länder, sofern deren Zuständigkeiten berührt sind.

Der Bundesrat ist dabei kein Gegner des Bundestages, sondern ein Partner mit anderer Perspektive. Er soll Gesetze auf ihre Umsetzbarkeit in den Ländern prüfen.

Wer sitzt im Bundesrat und wie wird abgestimmt

Mitglieder des Bundesrates sind Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierungen, meist Regierungsmitglieder. Jedes Land entsendet so viele Mitglieder, wie es Stimmen hat, und die Stimmen eines Landes können nur einheitlich abgegeben werden. Die Länder haben je nach Bevölkerungsgröße drei bis sechs Stimmen.

Die Verteilung ist so angelegt, dass kleinere Länder im Verhältnis stärker vertreten sind als große, ohne dass die großen ohne Gewicht blieben. Beschlüsse brauchen in der Regel die Mehrheit der Stimmen. Bei vielen Fragen enthalten sich Länder, wenn ihre Koalitionspartner uneins sind, was im Ergebnis wie ein Nein wirkt, weil die absolute Mehrheit verlangt wird.

Den Vorsitz führt eine Präsidentin oder ein Präsident, das Amt wechselt nach festem Turnus unter den Ländern jährlich.

Die einheitliche Stimmabgabe führt dazu, dass Koalitionsverträge in den Ländern festlegen, wie das Land im Bundesrat abstimmt. Oft steht darin, dass Enthaltung gilt, wenn sich die Partner nicht einigen.

Sitzungen selbst nachlesen

Auf der Webseite des Bundesrates findest du Tagesordnungen, Beschlüsse und Erklärungen zum Ablauf. Das ist hilfreich, wenn du in den Nachrichten von einem Gesetz hörst und wissen willst, ob es der Zustimmung der Länder bedarf und wie die Länder abgestimmt haben.

Einspruchsgesetze und Zustimmungsgesetze

Beim Gesetzgebungsverfahren unterscheidet das Grundgesetz zwei Arten von Gesetzen. Bei Einspruchsgesetzen kann der Bundesrat Einspruch einlegen, den der Bundestag unter bestimmten Voraussetzungen überstimmen kann. Bei Zustimmungsgesetzen ist die Zustimmung des Bundesrates zwingend erforderlich. Ohne sie kommt das Gesetz nicht zustande.

Zustimmungsbedürftig sind vor allem Gesetze, die Interessen der Länder besonders berühren, etwa wenn sie die Verwaltung der Länder betreffen oder deren Finanzen. In manchen Fällen können sich Bundestag und Bundesrat nicht einigen. Dann kann der Vermittlungsausschuss angerufen werden, ein gemeinsames Gremium beider Organe, das Kompromisse sucht.

Die Unterscheidung führt dazu, dass in Nachrichten manchmal von der Mehrheit im Bundesrat die Rede ist, wenn Gesetze Zustimmung brauchen.

Der Vermittlungsausschuss besteht aus Mitgliedern beider Kammern und arbeitet nicht öffentlich. Seine Vorschläge müssen anschließend von Bundestag und Bundesrat erneut beschlossen werden. Das Verfahren kann dadurch mehrere Runden dauern.

Warum der Bundesrat für dich wichtig ist

Viele Gesetze, die dich betreffen, werden von Ländern und Kommunen ausgeführt, etwa im Bereich Bildung, Gesundheit, Steuer oder Verkehr. Der Bundesrat sorgt dafür, dass diese Perspektive in die Gesetzgebung einfließt. Dadurch werden Regelungen oft praktikabler, auch wenn Verfahren länger dauern können.

Sitzungen des Bundesrates sind öffentlich, Tagesordnungen und Beschlüsse kannst du auf der Webseite einsehen. Wer sich für Politik interessiert, findet dort Hintergründe zu Verfahren, Beratungen und Abstimmungsergebnissen. Auch Schulklassen und Gruppen können den Bundesrat besuchen.

Als Bürgerin oder Bürger wählst du den Bundesrat nicht direkt, aber Landtagswahlen beeinflussen mittelbar, wie die Landesregierungen zusammengesetzt sind und damit auch, wie sich ein Land im Bundesrat verhält.

Auch Jugendliche können sich informieren, denn der Bundesrat bietet Materialien für Schulen und politische Bildung an, die den Aufbau und die Abläufe leicht verständlich erklären.

Bundesrat im Überblick
Merkmal Angabe
Mitglieder Vertreter der Landesregierungen
Stimmen pro Land zwischen drei und sechs
Abstimmung Stimmen eines Landes einheitlich
Gesetzesarten Einspruchs- und Zustimmungsgesetze
Vermittlung Vermittlungsausschuss mit Bundestag

Checkliste

  • Bundesrat als Verfassungsorgan der Länder einordnen
  • Unterschied zwischen Einspruchs- und Zustimmungsgesetz merken
  • Stimmenverteilung zwischen drei und sechs beachten
  • Sitzungen und Beschlüsse auf der Webseite nachlesen
  • Rolle des Vermittlungsausschusses kennen
  • Zusammenhang zu Landtagswahlen herstellen

Häufige Fragen

Wird der Bundesrat gewählt?

Nein. Seine Mitglieder gehören den Landesregierungen an und werden von diesen bestellt. Sie bleiben im Amt, solange sie der Landesregierung angehören. Dadurch wirken Landtagswahlen indirekt auf die Zusammensetzung. Eine direkte Wahl durch die Bevölkerung gibt es nicht, anders als beim Bundestag. Eine Wahl der Mitglieder durch das Volk ist im Grundgesetz nicht vorgesehen.

Wie viele Stimmen hat ein Land?

Die Länder haben je nach Einwohnerzahl zwischen drei und sechs Stimmen. Kleinere Länder haben also im Verhältnis zur Bevölkerung mehr Gewicht. Die Stimmen eines Landes können nur einheitlich abgegeben werden, auch wenn die Regierung des Landes in einer Frage unterschiedlicher Meinung ist.

Was ist ein Zustimmungsgesetz?

Ein Gesetz, das nur mit Zustimmung des Bundesrates zustande kommt. Das gilt vor allem, wenn Interessen der Länder besonders betroffen sind, zum Beispiel bei Verwaltung oder Finanzen. Stimmt der Bundesrat nicht zu, kann das Gesetz scheitern oder wird im Vermittlungsausschuss neu verhandelt.

Wo tagt der Bundesrat?

Der Bundesrat hat seinen Sitz in Berlin und tagt dort in der Regel in öffentlichen Plenarsitzungen. Die Tagesordnungen und Beschlüsse sind auf der Webseite abrufbar. Besuchergruppen können sich für Sitzungen und Führungen anmelden, sofern Plätze verfügbar sind. Führungen bucht man vorab.

Fazit

Der Bundesrat wirkt unauffällig, ist aber ein tragender Pfeiler des deutschen Föderalismus. Er bindet die Länder in die Bundesgesetzgebung ein und sorgt dafür, dass Erfahrungen der Verwaltung vor Ort einfließen. Wer verstehen will, warum Gesetzgebung manchmal langsam voranschreitet, findet hier einen wichtigen Grund: Zwei Kammern müssen sich einigen. Das kostet Zeit, schafft aber häufig tragfähigere Lösungen, die im gesamten Land funktionieren.

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Quellen und Stand

Zuletzt geprüft: 2026-10-03

Recherche und Pflege: Redaktion Bundesland.net.

Redaktion

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion Bundesland.net recherchiert und geprüft. Wir belegen Rechtsfragen mit Fundstelle, nennen Zahlen nur mit Quelle und korrigieren Fehler sichtbar. Hinweise gern über Kontakt.

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